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Geerbte Immobilie verkaufen: Steuer, Fristen und Rechenbeispiele

Sie wollen das Elternhaus verkaufen und hören von Spekulationssteuer, Nachversteuerung und Erbschaftsteuer. Ein falscher Zeitpunkt kann fünfstellige Beträge kosten.

Hier stehen die drei Steuerfallen beim Verkauf einer geerbten Immobilie, jeweils mit Paragraph und durchgerechnetem Beispiel in Euro.

Wer eine geerbte Immobilie verkauft, zahlt Steuer auf den Verkaufsgewinn nur, wenn zwischen dem Kauf durch den Erblasser und Ihrem Verkauf höchstens zehn Jahre liegen und keine Eigennutzung vorlag; der Erbe übernimmt das Kaufdatum des Verstorbenen (§ 23 Abs. 1 Satz 3 EStG). Die Erbschaftsteuer ist davon getrennt und fällt auf den Wert am Todestag an. Teuer wird es in zwei Sonderfällen: beim Familienheim, das binnen zehn Jahren verkauft wird, und bei der Auszahlung von Miterben. Diese Seite rechnet alle drei Fälle durch.

Stand: Oktober 2026 · Redaktion geld-was-nun.de, verantwortlich Rico Peuker · So arbeiten wir

Mann prüft Unterlagen am Küchentisch

Kurz beantwortet

  • Einkommensteuer auf den Gewinn fällt nur an, wenn der Kauf durch den Erblasser höchstens 10 Jahre zurückliegt (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Satz 3 EStG); Gewinne unter 1.000 € im Jahr bleiben frei.
  • Beispiel: Mutter kauft 2019 für 240.000 €, Erbe verkauft 2027 für 330.000 €; der Gewinn beträgt 95.659 €, bei 42 % Steuersatz rund 40.177 € Steuer, nach März 2029 nichts (berechnet).
  • Familienheim: Verkauft ein Kind das geerbte Elternhaus binnen 10 Jahren, entfällt die Befreiung rückwirkend; im Beispiel werden 72.750 € Erbschaftsteuer fällig (berechnet).
  • Zahlt ein Miterbe die anderen aus, ist das für ihn ein Kauf und für die anderen ein Verkauf mit neuer Zehnjahresfrist (BMF-Schreiben vom 14.03.2006).

Muss ich Steuern zahlen, wenn ich eine geerbte Immobilie verkaufe?

Einkommensteuer zahlen Sie nur, wenn der Kauf durch den Erblasser höchstens zehn Jahre vor Ihrem Verkauf lag und die Immobilie nicht zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurde. Das Gesetz rechnet dem Erben bei einem unentgeltlichen Erwerb die Anschaffung durch den Rechtsvorgänger zu (§ 23 Abs. 1 Satz 3 EStG). Die Uhr beginnt also nicht mit dem Erbfall neu.

Davon getrennt ist die Erbschaftsteuer. Sie bemisst sich am Wert am Todestag und fällt an, ob Sie verkaufen oder nicht. Ein Verkauf kann sie aber nachträglich auslösen, wenn Sie die Befreiung für das Familienheim genutzt haben. Beide Steuern können für dieselbe Immobilie anfallen.

Wann der Verkauf einkommensteuerpflichtig ist
LageVerkauf im Jahr 2026Grund
Erblasser kaufte 2012steuerfreimehr als 10 Jahre seit Anschaffung
Erblasser kaufte 2019, vermietetesteuerpflichtig bis 2029Frist des Erblassers läuft weiter
Erblasser kaufte 2019, wohnte selbst bis zum Todoft steuerfreiEigennutzung des Erblassers wird zugerechnet, Daten prüfen
Erblasser kaufte Grundstück 2000, baute 2018steuerfreimaßgeblich ist der Kauf des Grundstücks, das Gebäude wird einbezogen
Erbe zahlt 2026 den Bruder ausfür die gekaufte Hälfte neue Frist bis 2036entgeltlicher Erwerb

Zusammenstellung nach § 23 Abs. 1 EStG und BMF-Schreiben vom 05.10.2000 und 14.03.2006; Einzelfall prüft das Finanzamt.

Meine Mutter hat die Wohnung 2019 für 240.000 € gekauft und vermietet; ich verkaufe 2027 für 330.000 €: Wie viel Steuer fällt an?

Nach unserer Beispielrechnung entsteht ein steuerpflichtiger Gewinn von 95.659 €, bei angenommenen 42 Prozent Grenzsteuersatz rund 40.177 € Einkommensteuer. Würde derselbe Verkauf ab dem 2. März 2029 beurkundet, wäre er steuerfrei. Maßgeblich für die Frist sind die Kaufverträge, nicht die Eintragung im Grundbuch.

Der Rechenweg folgt § 23 Abs. 3 EStG: Verkaufspreis minus Anschaffungskosten des Erblassers minus Verkaufskosten. Die Anschaffungskosten mindern sich um die Abschreibungen, die bei der Vermietung abgezogen wurden, auch die des Erblassers (Satz 4).

Rechenweg Verkaufsgewinn geerbte Wohnung
PostenBetrag
Kaufpreis Mutter 01.03.2019240.000 €
plus Kaufnebenkosten 7 % (Annahme)16.800 €
Anschaffungskosten256.800 €
minus AfA 2 % auf 205.440 € Gebäudeanteil, 03/2019 bis 06/202734.240 €
Geminderte Anschaffungskosten222.560 €
Verkaufspreis 06/2027330.000 €
minus Maklerprovision 3,57 % (Annahme)11.781 €
Steuerpflichtiger Gewinn95.659 €
Einkommensteuer bei 42 % (vereinfacht)40.177 €

Berechnet von geld-was-nun.de. Nebenkosten, Gebäudeanteil, Provision und Steuersatz sind Annahmen; ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Keine Steuerberatung.

Die Zahl zeigt, warum der Zeitpunkt so viel wiegt. Ob sich Warten lohnt, hängt davon ab, was in den Monaten bis zum Fristende an Miete, Kosten und Preisrisiko anfällt. Liegt im selben Jahr auch Erbschaftsteuer auf die Wohnung an, kann die Einkommensteuer auf Antrag ermäßigt werden, soweit dieselben Einkünfte in den letzten vier Jahren der Erbschaftsteuer unterlagen (§ 35b EStG). Ob das im Einzelfall greift, klärt eine Steuerberatung.

Eigennutzung: Wann der Verkauf trotzdem steuerfrei ist

Steuerfrei ist der Verkauf auch innerhalb der zehn Jahre, wenn die Immobilie ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurde oder im Jahr des Verkaufs und in den beiden Vorjahren (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 3 EStG). Beim Erben zählt die Eigennutzung des Erblassers mit (BMF-Schreiben vom 05.10.2000, Rz. 26).

Kritisch sind Lücken. Stand die Wohnung nach dem Tod lange leer oder wurde sie zwischendurch vermietet, kann die Bedingung reißen. Ziehen Sie selbst ein, zählt Ihre eigene Nutzung. Wohnen Angehörige unentgeltlich darin, gilt das nur bei Kindern, für die Sie Kindergeld oder Kinderfreibetrag bekommen, als eigene Wohnzwecke. Wo die Daten knapp sind, sollten Sie den Verkaufstermin mit einer Steuerberatung abstimmen.

Erbschaftsteuer und Einkommensteuer: Was ist der Unterschied?

Die Erbschaftsteuer besteuert den Erwerb, die Einkommensteuer den Gewinn beim späteren Verkauf. Für die Erbschaftsteuer setzt das Finanzamt den Grundbesitzwert auf den Todestag fest (§ 12 Abs. 3 ErbStG); davon gehen Schulden, 15.000 € Pauschale für Beerdigung und Abwicklung (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG) und der Freibetrag ab, 400.000 € für Kinder, 20.000 € für Geschwister (§ 16 ErbStG). Wie die Steuer berechnet wird, zeigt Erbschaftsteuer berechnen.

Ein Verkauf kurz nach dem Erbfall kann die Erbschaftsteuer senken: Ein Kaufpreis, der innerhalb eines Jahres vor oder nach dem Todestag im gewöhnlichen Geschäftsverkehr zustande kommt, kann als Nachweis eines niedrigeren Werts dienen (§ 198 Abs. 3 BewG). Mehr dazu unter Geerbte Immobilie bewerten. Das Bundesverfassungsgericht verhandelt am 12. und 13.10.2026 über Freibeträge, Steuersätze und die Bewertung von Grundbesitz; bis zu einer Entscheidung gilt das geltende Gesetz.

Mann prüft Unterlagen am Küchentisch: Details

Ich bin ins geerbte Elternhaus gezogen und will nach vier Jahren verkaufen: Was kostet das?

Die Erbschaftsteuerbefreiung für das Familienheim fällt rückwirkend weg; im Beispiel unten werden 72.750 € nachgefordert. Das gilt immer, wenn der Erbe das steuerfrei geerbte Familienheim innerhalb von zehn Jahren nicht mehr selbst bewohnt; die Befreiung entfällt dann mit Wirkung für die Vergangenheit (§ 13 Abs. 1 Nr. 4b Satz 5, Nr. 4c Satz 5 ErbStG). Verkauf und Vermietung wirken gleich. Ausgenommen sind zwingende Gründe, etwa wenn der Erbe pflegebedürftig wird.

Ein Beispiel: Eine Tochter erbt das Elternhaus mit einem Grundbesitzwert von 600.000 € und 150 Quadratmetern sowie 300.000 € Geld. Sie zieht ein; steuerpflichtig bleiben 300.000 € minus 15.000 € Pauschale, das liegt unter dem Freibetrag von 400.000 €, Steuer 0 €. Verkauft sie nach vier Jahren, zählt das Haus nachträglich mit: 900.000 € minus 15.000 € minus 400.000 € ergeben 485.000 €, bei 15 Prozent (§ 19 Abs. 1 ErbStG) 72.750 € Erbschaftsteuer (berechnet). Für Ehegatten gilt dieselbe Zehnjahresfrist, aber ohne Grenze von 200 Quadratmetern.

Erbengemeinschaft: Wer einen Miterben auszahlt, kauft

Teilen Erben den Nachlass ohne Ausgleichszahlung nach ihren Quoten auf, ist das unentgeltlich; es bleibt beim Kaufdatum des Erblassers. Zahlt dagegen ein Miterbe aus eigenem Geld eine Abfindung, um das Haus allein zu übernehmen, behandelt die Finanzverwaltung das als Kauf des übernehmenden und als Verkauf des weichenden Miterben (BMF-Schreiben vom 14.03.2006, geändert am 27.12.2018). Übernimmt ein Miterbe nur Schulden des Nachlasses über seine Quote hinaus, sieht das BMF darin kein Entgelt.

Die Folgen: Für die ausgezahlte Hälfte beginnt beim Übernehmenden eine neue Zehnjahresfrist. Der Weichende kann einen steuerpflichtigen Gewinn erzielen, wenn der Kauf durch den Erblasser weniger als zehn Jahre zurückliegt. Grunderwerbsteuer fällt bei der Teilung unter Miterben nicht an (§ 3 Nr. 3 GrEStG). Wie die Auszahlung praktisch läuft, steht unter Erbengemeinschaft: Immobilie verkaufen.

Freigrenze, Verluste und Werbungskosten

  • Freigrenze: Liegt der Gesamtgewinn aus allen privaten Veräußerungsgeschäften eines Jahres unter 1.000 €, bleibt er steuerfrei; ab 1.000 € ist der ganze Gewinn steuerpflichtig (§ 23 Abs. 3 Satz 5 EStG).
  • Verluste: Ein Verlust aus dem Verkauf darf nur mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden, auch im Vorjahr und in Folgejahren (§ 23 Abs. 3 Satz 7 und 8 EStG).
  • Werbungskosten: Maklerprovision, Notar für den Verkauf und Vorfälligkeitsentschädigung im Zusammenhang mit dem Verkauf mindern den Gewinn.
  • Erbengemeinschaft: Verkauft die Gemeinschaft an Dritte, versteuert jeder Erbe seinen Anteil am Gewinn.

Nach dem Verkauf: den Erlös sichern

Ist der Kaufpreis da, gilt die Reihenfolge jedes großen Geldeingangs: erst sicher parken, dann Steuer und Reserve abziehen, dann anlegen. Legen Sie die zu erwartende Einkommen- oder Erbschaftsteuer zur Seite, bis der Bescheid da ist. Gesetzlich gesichert sind 100.000 € je Person und Bank (§ 8 Abs. 1 EinSiG). Wie Sie den Rest aufteilen, zeigt Geld anlegen nach Hausverkauf. Ob Sie überhaupt verkaufen oder lieber vermieten, rechnet Geerbte Immobilie verkaufen oder vermieten durch; den Ablauf ab dem Erbfall zeigt Haus geerbt: was tun.

Mann prüft Unterlagen am Küchentisch: Blick in den Raum

Häufige Fragen

Gilt die Spekulationsfrist von 10 Jahren auch für eine geerbte Immobilie?

Ja, aber sie beginnt nicht mit dem Erbfall, sondern mit dem Kauf durch den Erblasser (§ 23 Abs. 1 Satz 3 EStG). Hat Ihr Vater 2012 gekauft, können Sie 2026 steuerfrei verkaufen. Hat er 2019 gekauft und vermietet, ist ein Gewinn bis 2029 steuerpflichtig. Wurde die Immobilie zu eigenen Wohnzwecken genutzt, kann der Verkauf trotzdem steuerfrei sein.

Ich habe 2025 ein Haus geerbt, das meine Eltern 1990 gebaut haben: Zahle ich beim Verkauf Steuer?

Einkommensteuer nicht, weil die Anschaffung des Grundstücks durch Ihre Eltern weit mehr als zehn Jahre zurückliegt und Sie dieses Datum übernehmen (§ 23 Abs. 1 Satz 3 EStG). Erbschaftsteuer fällt an, wenn Ihr Erwerb nach Abzug von Schulden, 15.000 € Pauschale und 400.000 € Freibetrag noch positiv ist. Der Verkauf selbst ändert daran nichts, außer Sie haben das Haus als Familienheim steuerfrei geerbt.

Was passiert, wenn ich das geerbte Elternhaus nach 5 Jahren verkaufe?

Haben Sie es als Familienheim erbschaftsteuerfrei geerbt, weil Sie eingezogen sind, entfällt die Befreiung rückwirkend (§ 13 Abs. 1 Nr. 4c ErbStG). Das Finanzamt setzt die Erbschaftsteuer neu fest. In unserem Beispiel mit 600.000 € Hauswert und 300.000 € Geld sind das 72.750 €. Ausnahme: Zwingende Gründe wie eigene Pflegebedürftigkeit hindern Sie am Wohnen.

Muss ich Steuern zahlen, wenn ich meinen Bruder aus dem geerbten Haus auszahle?

Sie selbst zahlen keine Steuer, aber Sie kaufen steuerlich seine Hälfte; für diese beginnt eine neue Zehnjahresfrist. Ihr Bruder verkauft und muss einen Gewinn versteuern, wenn der Kauf durch den Erblasser weniger als zehn Jahre zurückliegt und keine Eigennutzung vorlag (BMF-Schreiben vom 14.03.2006). Grunderwerbsteuer fällt bei der Teilung unter Miterben nicht an (§ 3 Nr. 3 GrEStG).

Kann ich Erbschaftsteuer und Einkommensteuer auf dieselbe Immobilie zahlen müssen?

Ja, das kommt vor: Erbschaftsteuer auf den Wert am Todestag, Einkommensteuer auf den Gewinn, wenn Sie innerhalb der Frist des Erblassers verkaufen. Für diesen Fall sieht § 35b EStG auf Antrag eine Ermäßigung der Einkommensteuer vor, soweit dieselben Einkünfte in den letzten vier Jahren der Erbschaftsteuer unterlagen. Ob das im konkreten Fall greift, klärt eine Steuerberatung.

Senkt ein schneller Verkauf die Erbschaftsteuer auf das geerbte Haus?

Er kann. Liegt der Kaufpreis unter dem vom Finanzamt festgestellten Grundbesitzwert, dient ein Verkauf innerhalb eines Jahres vor oder nach dem Todestag als Nachweis des niedrigeren Werts, wenn sich die Verhältnisse nicht geändert haben (§ 198 Abs. 3 BewG). Dann wird der niedrigere Kaufpreis angesetzt. Ein Verkauf zu einem Freundschaftspreis reicht nicht; er muss im gewöhnlichen Geschäftsverkehr zustande kommen.

Wie viel Steuer zahle ich auf 95.000 € Gewinn aus einer geerbten Wohnung?

Der Gewinn wird mit Ihrem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert, nicht mit der Abgeltungsteuer. Bei 42 Prozent Grenzsteuersatz sind das rund 40.000 €, dazu gegebenenfalls Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Bei niedrigerem Einkommen ist der Satz geringer, doch der Gewinn kann Sie in eine höhere Stufe heben. Die genaue Rechnung erstellt das Finanzamt mit der Steuererklärung.

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