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Geerbte Immobilie bewerten: Verkehrswert, Steuerwert und Gutachten

Das Finanzamt setzt das geerbte Haus höher an, als ein Käufer zahlen würde. Im Beispiel auf dieser Seite kostet das 8.800 € Erbschaftsteuer zu viel.

Hier stehen alle Wertbegriffe, die Verfahren von Finanzamt und Gutachter und die Gebühren für ein Gutachten mit Quelle.

Eine geerbte Immobilie bewerten Sie für zwei Zwecke, die verschiedene Werte verlangen: Für Verkauf, Auszahlung von Miterben und Pflichtteil zählt der Verkehrswert (§ 194 BauGB), für die Erbschaftsteuer der Grundbesitzwert, den das Finanzamt nach dem Bewertungsgesetz feststellt (§ 12 Abs. 3 ErbStG, §§ 176 ff. BewG). Liegt der Steuerwert zu hoch, können Sie mit einem Gutachten oder einem Kaufpreis innerhalb eines Jahres einen niedrigeren Wert nachweisen (§ 198 BewG). Diese Seite erklärt beide Wege und was ein Gutachten kostet.

Stand: Oktober 2026 · Redaktion geld-was-nun.de, verantwortlich Rico Peuker · So arbeiten wir

Gutachter begutachtet eine Hausfassade

Kurz beantwortet

  • Für die Erbschaftsteuer gilt der Grundbesitzwert, den das Lagefinanzamt feststellt (§ 12 Abs. 3 ErbStG, § 151 BewG); Eigentumswohnungen und Ein- bis Zweifamilienhäuser bewertet es im Vergleichswertverfahren (§ 182 Abs. 2 BewG).
  • Ist der Steuerwert zu hoch, zählt der nachgewiesene niedrigere Wert: per Gutachten des Gutachterausschusses oder zertifizierter Sachverständiger oder per Kaufpreis binnen 1 Jahr um den Todestag (§ 198 BewG).
  • Ein Gutachten des Gutachterausschusses kostet bei 400.000 € Verkehrswert in Bremen 3.100 € netto, in Rheinland-Pfalz 3.350 € netto, jeweils plus 19 % Umsatzsteuer (berechnet nach den Gebührenordnungen).
  • Beispiel: Senkt ein Gutachten den Wert eines geerbten Hauses von 480.000 € auf 400.000 €, sinkt die Steuer eines Kindes mit 100.000 € weiterem Erbe von 18.150 € auf 9.350 € (berechnet).

Welcher Wert gilt für eine geerbte Immobilie?

Es gibt zwei Werte, und beide können um Zehntausende Euro auseinanderliegen. Der Verkehrswert ist der Preis, der am Stichtag im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach Lage und Zustand zu erzielen wäre, ohne Rücksicht auf ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse (§ 194 BauGB). Er zählt, wenn Erben verkaufen, einen Miterben auszahlen oder einen Pflichtteil berechnen.

Der Grundbesitzwert ist der Wert für die Erbschaftsteuer. Ihn stellt das Finanzamt, in dessen Bezirk das Grundstück liegt, gesondert fest (§ 151 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BewG); das Erbschaftsteuer-Finanzamt übernimmt ihn (§ 12 Abs. 3 ErbStG). Er soll den gemeinen Wert treffen (§ 177 BewG), arbeitet aber mit typisierten Daten und kennt keine Besichtigung.

Zwei Werte für dieselbe Immobilie
MerkmalVerkehrswertGrundbesitzwert
Rechtsgrundlage§ 194 BauGB, ImmoWertV§§ 176 bis 198 BewG
ZweckVerkauf, Auszahlung, PflichtteilErbschaftsteuer
Wer ermitteltGutachter, Gutachterausschuss, MarktLagefinanzamt
Besichtigungja, beim Gutachtennein, nach Erklärung und Daten
Bindungkeine, Erben können sich einigenBescheid, anfechtbar per Einspruch
Gegenbeweiszweites GutachtenGutachten oder Kaufpreis, § 198 BewG

Zusammenstellung geld-was-nun.de nach BauGB, ImmoWertV und BewG, Abruf 01.10.2026.

Wie bewertet das Finanzamt ein geerbtes Haus?

Das Finanzamt wählt das Verfahren nach der Art des Grundstücks (§ 182 BewG). Eigentumswohnungen und Ein- oder Zweifamilienhäuser bewertet es über Vergleichspreise oder Vergleichsfaktoren der Gutachterausschüsse (§ 183 BewG). Mietwohngrundstücke laufen über das Ertragswertverfahren mit Miete, Bewirtschaftungskosten und Liegenschaftszins (§§ 184 bis 188 BewG); fehlt ein örtlicher Zins, gelten 3,5 Prozent für Mietwohngrundstücke (§ 188 Abs. 2 BewG). Im Sachwertverfahren rechnet es mit Regelherstellungskosten, Baupreisindex und Alterswertminderung (§§ 189 bis 191 BewG).

Den Bodenwert setzt es immer mit dem Bodenrichtwert an, den der Gutachterausschuss zuletzt vor dem Todestag ermitteln musste (§ 179 BewG). Bodenrichtwerte sind öffentlich; jeder kann Auskunft verlangen (§ 196 Abs. 3 BauGB). Länderübergreifend zeigt sie das Portal BORIS-D. Was das Verfahren nicht kennt, sind Mängel, Sanierungsstau, Wohnrechte oder eine ungünstige Bebauung, soweit das Gesetz sie nicht ausdrücklich vorsieht (§ 177 Abs. 4 BewG). Genau dort setzt der Gegenbeweis an.

Bewertungsverfahren nach Art der Immobilie
ImmobilieVerfahrenRechtsgrundlage
EigentumswohnungVergleichswert§ 182 Abs. 2 Nr. 1, § 183 BewG
Ein- und ZweifamilienhausVergleichswert, ersatzweise Sachwert§ 182 Abs. 2 Nr. 3, Abs. 4 Nr. 1 BewG
MehrfamilienhausErtragswert§ 182 Abs. 3 Nr. 1, §§ 184 bis 188 BewG
Unbebautes GrundstückFläche mal Bodenrichtwert§ 179 BewG

Quelle: Bewertungsgesetz, Abruf 01.10.2026.

Das Finanzamt setzt mein geerbtes Haus mit 480.000 € an, ein Gutachter kommt auf 400.000 €: Was tun?

Sie legen gegen den Feststellungsbescheid Einspruch ein und reichen das Gutachten als Nachweis des niedrigeren Werts ein; dann ist dieser Wert anzusetzen (§ 198 Abs. 1 BewG). Als Nachweis dient regelmäßig ein Gutachten des zuständigen Gutachterausschusses oder einer Person, die von einer staatlichen, staatlich anerkannten oder nach DIN EN ISO/IEC 17024 akkreditierten Stelle als Sachverständiger bestellt oder zertifiziert ist (§ 198 Abs. 2 BewG). Eine Preiseinschätzung eines Maklers oder eine Online-Bewertung nennt das Gesetz nicht.

Was das bringt, zeigt ein Beispiel. Ein Kind erbt das Haus und 100.000 € Geld. Mit 480.000 € Hauswert sind nach 15.000 € Pauschale und 400.000 € Freibetrag 165.000 € zu versteuern, zu 11 Prozent 18.150 €. Mit 400.000 € sind es 85.000 € und 9.350 € Steuer. Der Unterschied von 8.800 € liegt deutlich über den Kosten eines Gutachtens von rund 3.700 € brutto (berechnet nach §§ 10, 16, 19 ErbStG und der Bremer Gebührenordnung).

Das Bundesverfassungsgericht verhandelt am 12. und 13.10.2026 auch über die Bewertung von Grundbesitz, Freibeträge und Steuersätze; bis zu einer Entscheidung gilt das geltende Gesetz. Wie sich der Wert auf Ihre Steuer auswirkt, rechnen Sie hier nach:

Kaufpreis statt Gutachten: der günstigste Nachweis

Verkaufen die Erben die Immobilie innerhalb eines Jahres vor oder nach dem Todestag im gewöhnlichen Geschäftsverkehr, kann der Kaufpreis den niedrigeren Wert belegen, wenn sich die maßgeblichen Verhältnisse seitdem nicht geändert haben (§ 198 Abs. 3 BewG). Ein Gutachten ist dann nicht nötig. Ein Verkauf an Angehörige zu einem Vorzugspreis reicht nicht.

Liegt der Kaufpreis über dem Grundbesitzwert, ändert er an der Erbschaftsteuer nichts; der Feststellungsbescheid bleibt. Ob der Verkauf Einkommensteuer auslöst, hängt vom Kaufdatum des Erblassers ab und steht unter Geerbte Immobilie verkaufen: Steuer.

Gutachter begutachtet eine Hausfassade: Details

Wie ermittelt ein Gutachter den Verkehrswert?

Nach der Immobilienwertermittlungsverordnung mit dem Vergleichswert-, dem Ertragswert- oder dem Sachwertverfahren oder mehreren davon; die Wahl muss er begründen (§ 6 Abs. 1 ImmoWertV). Zuerst ermittelt er einen vorläufigen Verfahrenswert, passt ihn an den Markt an und berücksichtigt dann die besonderen Merkmale des Objekts wie Baumängel, Instandhaltungsstau, Wohnrechte oder Mietverträge (§ 6 Abs. 2 und 3, § 8 ImmoWertV).

Den Gutachterausschuss können Eigentümer und Pflichtteilsberechtigte selbst beauftragen (§ 193 Abs. 1 Nr. 3 BauGB). Freie Sachverständige rechnen nach eigener Honorarvereinbarung ab. Für die Steuer muss der Gutachter die Anforderungen des § 198 Abs. 2 BewG erfüllen; fragen Sie vor dem Auftrag nach der Bestellung oder Zertifizierung.

Was kostet ein Gutachten für eine geerbte Immobilie?

Die Gebühren der Gutachterausschüsse richten sich nach Landesrecht und dem ermittelten Verkehrswert. Die Tabelle rechnet die veröffentlichten Sätze zweier Länder für drei Werte durch, dazu ein veröffentlichtes Beispiel aus Nordrhein-Westfalen. Besondere Schwierigkeiten, Rechte und Belastungen können Zuschläge auslösen.

Gebühr Verkehrswertgutachten Gutachterausschuss, bebautes Grundstück
VerkehrswertBremen nettoRheinland-Pfalz nettoHamm (NRW) netto
300.000 €2.650 €3.050 €2.000 € (Einfamilienhaus)
400.000 €3.100 €3.350 €nicht veröffentlicht
500.000 €3.550 €3.650 €nicht veröffentlicht

Berechnet von geld-was-nun.de: Bremen 4,5 Promille plus 1.300 € bis 500.000 €; Rheinland-Pfalz 3,0 Promille plus 2.150 € Grundgebühr von 250.000 bis 500.000 €; Hamm Beispiel laut Gutachterausschuss, Stand Januar 2025. Jeweils zuzüglich 19 % Umsatzsteuer, ohne Zuschläge.

Brutto kostet ein Gutachten bei 400.000 € damit in Bremen 3.689 € und in Rheinland-Pfalz 3.987 € (berechnet). Ein Gutachten lohnt sich steuerlich, wenn die erwartete Steuerersparnis die Kosten klar übersteigt. Liegt der Erwerb ohnehin unter dem Freibetrag, bringt ein niedrigerer Steuerwert nichts.

Wir wollen den Bruder auszahlen und streiten über den Wert: Welcher gilt?

Der Wert, auf den Sie sich einigen; ein gesetzlich verbindlicher Wert für die Auszahlung existiert nicht. Der Grundbesitzwert des Finanzamts ist dafür nicht gedacht. Üblich ist ein gemeinsam beauftragtes Gutachten, dessen Ergebnis alle vorab als verbindlich anerkennen. Ohne Einigung bleibt nur die Teilungsversteigerung, in der das Gericht einen Verkehrswert festsetzt (§ 74a Abs. 5 ZVG). Wie Auszahlung und Versteigerung laufen, zeigt Erbengemeinschaft: Immobilie verkaufen.

Nach der Bewertung

Mit dem Wert stehen die nächsten Entscheidungen an: ob Sie behalten, vermieten oder verkaufen, rechnet Geerbte Immobilie verkaufen oder vermieten durch. Wie viel Steuer auf den Wert anfällt, zeigen Erbschaftsteuer berechnen und Erbschaftssteuer Freibetrag. Den Ablauf ab dem Erbfall finden Sie unter Haus geerbt: was tun. Ob der Einspruch im Einzelfall Aussicht hat, klärt eine Steuerberatung.

Gutachter begutachtet eine Hausfassade: Blick in den Raum

Häufige Fragen

Wie bewertet das Finanzamt eine geerbte Eigentumswohnung?

Im Vergleichswertverfahren, also anhand von Kaufpreisen vergleichbarer Wohnungen oder Vergleichsfaktoren, die der Gutachterausschuss ermittelt hat (§ 182 Abs. 2, § 183 BewG). Fehlen solche Daten, nimmt es das Sachwertverfahren. Den Wert stellt das Finanzamt am Ort der Wohnung gesondert fest; das Erbschaftsteuer-Finanzamt übernimmt ihn. Gegen den Bescheid ist Einspruch möglich, etwa mit einem Gutachten.

Lohnt sich ein Gutachten für die Erbschaftsteuer bei einem Haus für 480.000 €?

Das hängt vom Abstand zum tatsächlichen Wert und vom Steuersatz ab. Senkt ein Gutachten den Wert auf 400.000 €, spart ein Kind mit 100.000 € weiterem Erbe in unserem Beispiel 8.800 € Erbschaftsteuer. Das Gutachten des Gutachterausschusses kostet bei 400.000 € in Bremen 3.689 € brutto. Liegt das Erbe ohnehin unter dem Freibetrag von 400.000 €, lohnt es sich steuerlich nicht.

Akzeptiert das Finanzamt eine Maklerbewertung für das geerbte Haus?

Das Gesetz nennt sie nicht. Als Nachweis eines niedrigeren Werts dient regelmäßig ein Gutachten des Gutachterausschusses oder einer Person, die als Sachverständiger für Grundstückswerte bestellt oder nach DIN EN ISO/IEC 17024 zertifiziert ist (§ 198 Abs. 2 BewG). Ein tatsächlicher Kaufpreis innerhalb eines Jahres um den Todestag kann ebenfalls dienen (§ 198 Abs. 3 BewG). Für Verkaufsgespräche ist eine Maklereinschätzung dagegen üblich.

Wo finde ich den Bodenrichtwert für das geerbte Grundstück?

Beim örtlichen Gutachterausschuss, der die Bodenrichtwerte veröffentlichen und auf Anfrage jedem Auskunft geben muss (§ 196 Abs. 3 BauGB). Die Länder stellen sie in eigenen Portalen bereit, länderübergreifend im Portal BORIS-D. Das Finanzamt setzt für die Erbschaftsteuer den Bodenrichtwert an, der zuletzt vor dem Todestag zu ermitteln war (§ 179 BewG).

Gilt der Wert vom Finanzamt auch für die Auszahlung meiner Geschwister?

Nein. Der Grundbesitzwert dient nur der Steuer. Für die Auszahlung zählt der Verkehrswert, auf den sich die Erben einigen; ein gesetzlich vorgeschriebener Wert existiert dafür nicht. Üblich ist ein gemeinsam beauftragtes Gutachten. Kommt keine Einigung zustande, setzt in einer Teilungsversteigerung das Gericht den Verkehrswert fest (§ 74a Abs. 5 ZVG).

Was kostet ein Verkehrswertgutachten beim Gutachterausschuss für 300.000 €?

Je nach Land unterschiedlich. Nach den veröffentlichten Sätzen sind es in Bremen 2.650 € netto, in Rheinland-Pfalz 3.050 € netto, jeweils zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer (berechnet). Der Gutachterausschuss in Hamm nennt für ein Einfamilienhaus mit 300.000 € Wert 2.000 € netto, Stand Januar 2025. Zuschläge für besondere Schwierigkeiten oder zu bewertende Rechte kommen hinzu.

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